BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Grüne Fraktion Berlin-Lichtenberg

Leere Büros in Wohnraum umwandeln

DREI FRAGEN AN Daniela Ehlers und Robert Pohle

08.07.26 –

Robert, warum fordert ihr, vorerst kein neues Planungsrecht für Bürokomplexe und Bürohochhäuser im Bezirk zu schaffen?

Wir sehen derzeit keinen Bedarf für weitere Bürogroßprojekte. Nach aktuellen Zahlen stehen bereits 8,3 Prozent der Büroflächen in Berlin leer. Und trotz dieses Leerstands gibt es im Bezirk neue Planungen, unter anderem für die Grundstücke am Blockdammweg oder an der Hauptstraße. Diese Planungen sind wohnungs- und klimapolitisch absolut unvernünftig. Außerdem verändern Homeoffice und Co-Working die Nachfrage nach klassischen Büroflächen. 
Solange keine belastbare Bedarfsanalyse vorliegt und weiterhin erhebliche Leerstände bestehen, ist es nicht sinnvoll, zusätzliche Bürokomplexe zu planen. Stattdessen sollten Vorhabenträger, da, wo es möglich ist, dabei unterstützt werden, ihre Projekte beispielsweise zugunsten des sozialen Wohnungsbaus umzuwidmen.

Warum setzt ihr auf den Umbau bestehender Bürogebäude statt auf Neubauten?

Der Umbau bestehender Gebäude ist sowohl klimapolitisch als auch wohnungspolitisch der sinnvollere Weg. Die Bauwirtschaft verursacht erhebliche CO₂-Emissionen und jeder Neubau verbraucht wertvolle Ressourcen. Deshalb gilt: Umbau statt Abriss und Neubau. Die Umnutzung leerstehender Büro- und Gewerbeflächen schafft nicht nur dringend benötigten Wohnraum, sie schont auch das Klima und nutzt bereits vorhandene Gebäude effizient. Beispiele wie das Hausprojekt Magda zeigen, dass solche Umnutzungen wirtschaftlich tragfähig und sozial sinnvoll sind. 
Sie finden auch Rückhalt in der Bevölkerung. Eine Anwohnerin der Rummelsburger Bucht wies auf den riesigen Leerstand an der Hauptstraße, u. a. im Projekt Axis Offices, hin. Sie schrieb an alle BVV-Fraktionen u. a.: „Ich halte es für schwer vermittelbar, dass in einer Krise des Wohnungsmarktes moderne Neubauten ungenutzt bleiben.“

Daniela, welche konkreten Maßnahmen schlagt ihr jetzt vor, um in Lichtenberg Wohnungen aus leerstehenden Büros zu schaffen?

In unserem Antrag "Kein neues Planungsrecht für Büro-Komplexe - Leerstehende Büros zu Wohnungen umbauen" fordern wir das Bezirksamt auf, sich gegenüber der zuständigen Senatsverwaltung dafür einzusetzen, den Umbau leerstehender Büroflächen zu Wohnungen bauordnungsrechtlich zu erleichtern. Außerdem soll geprüft werden, ob ein Landesförderprogramm für solche Umnutzungen aufgelegt werden kann. 
Der Bund hat mit dem Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ bereits einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Unser Ziel ist es, der Fehlplanung von reinen Gewerbestandorten entgegenwirken. Dafür setzen wir auf Umplanung, Umnutzung und ein Moratorium für neues Planungsrecht für reine Büroimmobilien. 

 

 

++++++++ Dieses Interview ist usprünglich in unserem Newsletter im Juli 2026 erschienen. Immer auf dem Laufenden bleiben? Hier geht's zum Newsletter-Abo. ++++++++ 

Kategorie

Artikel | Klimaschutz, Umwelt, Grünflächen | Wohnen und Stadtentwicklung

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