24.03.26 –
Vorgang: KA/1143/IX
Das Bezirksamt wurde um folgende Auskunft gebeten:
In welchen Sprachen werden welche Medien in den bezirklichen Bibliotheken zur Ausleihe angeboten?
Alle vier Standorte der Stadtbibliothek bieten aktuelle englischsprachige Medien sowohl für Kinder als auch für Erwachsene an. In den Anna-Seghers-, Anton-Saefkow- und Bodo-Uhse-Bibliotheken stehen zudem Bestände in russischer und ukrainischer Sprache zur Verfügung. Zusätzlich gibt es in der Anna-Seghers-Bibliothek einen kleinen Arabisch-Bestand sowie in den Anna-Seghers-, Anton-Saefkow- und Bodo-Uhse-Bibliotheken eine kleine Auswahl an Kindermedien in vietnamesischer Sprache. Über die Online-Dienste Overdrive und Polylino stehen Zeitschriften und e-Books in diversen Sprachen zur Verfügung.
Welche Anstrengungen hat das Bezirksamt in den letzten Jahren unternommen, um die sprachliche Vielfalt im Ausleih-Angebot der bezirklichen Bibliotheken zu erhöhen?
Die Stadtbibliothek verfügt über langjährige Kooperationen mit Buchlieferanten zur Beschaffung fremdsprachiger Medien bspw. auf Englisch und Russisch. Darüber hinaus wurde im Sommer 2025 eine Stelle für den Bereich Community Management im Fachbereich eingestellt, welche die Zusammenarbeit mit den lokalen Communities im Bezirk intensiviert. Somit kann ein engerer Austausch mit Ehrenamtlichen aus den Communities aufgebaut werden, um den fremdsprachigen Medienbestand in einem partizipativen Prozess deutlich weiterzuentwickeln. Dies ist ein enormer Gewinn und erweitert die in der Frage gestellte Bedeutung.
Über welche Wege wird für ein sprachlich vielfältiges Angebot der bezirklichen Bibliotheken bei den entsprechenden Zielgruppen geworben?
Die Öffentlichkeitsarbeit richtet sich insbesondere bei Veranstaltungen und Festen auch an die migrantischen Communities. Hier werden gezielt Kooperationspartnerinnen und -partner sowie Netzwerke über Mailings und Social Media eingesetzt.
Ein Flyer, der in verschiedenen Sprachen über die Bibliotheksangebote informiert, befindet sich in Vorbereitung.
Welche bezirkliche Bibliotheken arbeiten mit migrantischen Selbstorganisationen zusammen? Falls ja, in welcher Form geschieht dies?
Im Jahr 2022 wurde das Projekt „Unsere Bibliothek = Unser Vielfalt“ in Kooperation mit Migrantas e.V. durchgeführt. Hier wurde mit jeweils drei MSOs in der Anna-Seghers-Bibliothek, der Anton-Saefkow-Bibliothek und der Bodo-Uhse-Bibliothek intensiv zusammengearbeitet. Die entstandenen Kontakte bestehen größtenteils bis heute und haben zu weiteren Kooperationen geführt.
Die Bodo-Uhse-Bibliothek pflegt eine enge Kooperation mit der russischsprachigen Community von „wir.de“. Es finden regelmäßig Feste von wir.de auf dem Vorplatz der Bibliothek statt und die Initiative nutzt die Bibliotheksräumlichkeiten für Veranstaltungen (u.a. auch an Wochenenden außerhalb der Öffnungszeiten). Zudem existiert eine Zusammenarbeit dem Verein „Gute Mission“, welcher aus der Ukraine geflüchtete Menschen unterstützt. So gibt es derzeit u.a. eine Malgruppe für Kinder, die sich regelmäßig in der Bibliothek trifft.
Die Anna-Seghers-Bibliothek arbeitet eng mit dem „Verein für aktive Vielfalt“ zusammen. Im Jahr 2025 fanden bspw. Arabisch-Sprachkurse für in Deutschland aufgewachsene Kinder in der Bibliothek statt. Im Sommer 2026 wird das Projekt „Pop-Up-Sommerbibliothek“ im Ostseeviertel realisiert, um den interkulturellen Dialog vor Ort zu stärken. Außerdem findet ein von ukrainischen Geflüchteten selbstorganisierter Strick- und Häkeltreff statt.
In der Anton-Saefkow-Bibliothek fanden in der Vergangenheit u.a. Ausstellungen und Feste der vietnamesischsprachigen Community statt. Derzeit ist das aus dem oben genannten Projekt des Vereins „Migrantas“ resultierende Kunstwerk „Drehbare Geschichten“ am Anton-Saefkow-Platz vor der Bibliothek zu sehen und lädt zur spielerischen Auseinandersetzung mit den Themen Migration und Bibliothek ein.
Gab es Anfragen von migrantischen Selbstorganisationen mit dem Ziel ein neues Angebot in den Lichtenberger Bibliotheken zu schaffen?
Die beiden Community Managerinnen des Fachbereichs (geteilte Stelle) sind in engem Austausch mit den lokalen migrantischen Selbstorganisationen (MSO). Im Januar 2026 fand ein Auftakttreffen mit verschiedenen Gruppen und Akteurinnen und Akteuren in der Anton-Saefkow-Bibliothek mit dem Ziel einer Netzwerkgründung statt. Die Stadtbibliothek Lichtenberg will die gezielte Vernetzung verschiedener eigenständiger Akteurinnen und Akteure der Bezirksregionen vorantreiben und eine Plattform basierend auf freiwilliger Zusammenarbeit schaffen. Derzeit werden die Gespräche mit den MSOs bilateral fortgeführt und konkrete Kooperationen geschlossen, aus denen gemeinsame Angebote entstehen können. Die Community Managerinnen beteiligen sich auch an bestehenden Netzwerken der MSOs.
Falls nein, weshalb gibt es keine Zusammenarbeit? Welche Hindernisse gibt es?
Siehe Antwort Frage 5
Welche konkreten Maßnahmen werden ergriffen, um die bezirklichen Bibliotheken als Orte der Vielfalt zu gestalten?
Alle vier Standorte der Stadtbibliothek Lichtenberg haben Kontakt zur Stadtteilkoordination, den Stadtteilmüttern und den BENN-Teams und beteiligen sich aktiv mit vielfältigen Veranstaltungen bspw. an der Queeren Lichtenberger Aktionswoche, der Woche der Generationen, der Frauenwoche, der Interkulturellen Woche und den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Die Räumlichkeiten der Stadtbibliothek stehen grundsätzlich allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft offen.
Perspektivisch werden die Community Managerinnen des Fachbereichs die Zusammenarbeit mit den MSOs intensivieren und nicht nur Angebote für, sondern insbesondere mit den Communities durchführen. Dabei soll auch mit Communities in den Dialog getreten werden, die in der Stadtbibliothek bislang noch weniger bekannt oder vertreten sind. Partizipation und demokratische Teilhabe werden sowohl die Veranstaltungsarbeit als auch die Arbeit am Bestand bereichern.
Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Lichtenberger Bibliotheken auch am Wochenende zu öffnen, um mehr ehrenamtliches Engagement von Vereinen zu ermöglichen?
Es ist beabsichtigt, die ganztägige Samstagsöffnung mit Drittmitteln fortzuführen. Perspektivisch wird angedacht, die Standorte in Kooperation mit Ehrenamtlichen, bspw. aus den MSOs, auch an Wochenenden zumindest diesen Communities zugänglich zu machen, was derzeit schon in Ansätzen, z.B. in der Bodo-Uhse-Bibliothek mit der Initiative wir.de, realisiert wird. Ehrenamtliches Engagement ist gerne gesehen. Wollen weitere, andere Vereine sich einbringen, ist eine Kontaktaufnahme zu empfehlen.
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Anfrage | Bürgernähe, Verwaltung, öffentliche Ordnung | Kultur, Bildung, Schule, Sport | Offene Gesellschaft